Sind Quetschies wirklich gesund?
Wohl fühlen

Sind Quetschies wirklich gesund?

„Na, immerhin Obst!“, denke ich oft, wenn ich meinen Kindern ein Quetschie in die Hand drücke. Denn die beiden essen meine Apfelschnitze, Gurkenstücke oder Kohlrabischeiben nicht immer. Dann doch lieber mal das praktische Obst-to-go im Plastikbeutel. Oder?

Nach drei Sekunden ist der Quetschie allerdings leer und ich suche einen Mülleimer für die Plastikverpackung samt dickem Plastikdeckel. Da tut´s mir schon wieder leid, dass ich das Ding gekauft habe. Sauteuer und blöder Müll. Viel besser wäre es, ich wäre eine dieser perfekt organisierten Mamas, die immer eine mannigfaltige Obstauswahl in der Tupperdose dabei haben. Wenn ich die aber früh schnibble, dann sind sie bis nachmittags nach der Arbeit braun.

Auch nicht lecker…
Und Lust habe ich darauf auch nicht. 

Ja, was denn nun? Doch wieder Obst aus der Tüte?

Foodwatch ist der Frage „Quetschies – ja oder nein?“ einmal nachgegangen und hat das Fruchtmus von der Ernährungsexpertin Alice Luttropp bewerten lassen. Den Artikel lest Ihr unten oder unter diesem Link:

http://www.foodwatch.org/de/informieren/frage-des-monats/in-vielen-supermarktregalen-stehen-obst-quetschies-sind-sie-wirklich-so-gesund-wie-die-hersteller-versprechen/

Schaut Euch doch auch mal die Homepage von Foodwatch.org an, dort finde ich immer wieder spannende Antworten auf Ernährungsfragen. Außerdem denkt die Organisation Schummeleien der Lebensmittelindustrie auf.

Antwort der Ernährungsexpertin Alice Luttropp für Foodwatch:

Sie werden als gesunde Zwischenmahlzeit beworben und stehen mittlerweile in jedem Supermarkt: Fruchtmus aus dem Quetschbeutel, besser bekannt als Quetschies. Kinder lieben sie, und dank ihrer praktischen Größe und dem vermeintlichen Gesundheitswert sind sie auch bei Eltern sehr beliebt. Doch die süßen Smoothies aus der Tüte sind überzuckert, übersäuert und überteuert.

Zu viel Säure

Vergleichbar sind Quetschies mit Obstbrei aus Gläsern, geeignet für Kinder zwischen dem 6. bis 12. Lebensmonat. Doch es gibt einen wichtigen Unterschied: Während der Brei aus dem Glas per Löffel verabreicht wird, lutschen die Kinder – viele von ihnen älter als ein Jahr – das Mus aus den Quetschies ganz einfach selbst heraus. Wird regelmäßig an Quetschies genuckelt, kann das Karies verursachen, weil die Zähne vom stark zuckerhaltigen Fruchtpüree umspült werden. Außerdem haben Quetschies einen hohen  Säuregehalt – zusätzlich zu der natürlichen Säure der Früchte wird den Produkten oft säurehaltiges Vitamin C zugefügt, um dem Mus Oxidationsschutz zu verleihen und es obendrein als gesund bewerben zu können.

Zu viel Zucker

Quetschies sind Zuckerbomben. Das Obst landet zum Teil ohne Schale in der Presse. Im Vergleich zu frischem Obst enthalten sie dadurch weniger wichtige Vitamine und Ballaststoffe. Die meisten Quetschies werben auf der Verpackung mit dem Slogan „ohne Zuckerzusatz“. Doch das ist irreführend: Denn neben dem im Obst sowieso enthaltenen Zucker stecken in vielen Quetschies zusätzlich Fruchtmark oder Fruchtsaftkonzentrate, wodurch der Zuckergehalt weiter in die Höhe schießt. Durch den Entzug von Wasser wird der Saft konzentriert – und dadurch eben  sehr süß. Besonders eignen sich hierfür Apfel- oder Traubensaft. Das Ergebnis: In einem Quetschie stecken rund 12 Gramm Zucker, also umgerechnet vier Zuckerwürfel.

Zu viel Geld

Quetschies kosten viel Geld, zumindest im Vergleich zu Brei im Glas oder unverarbeitetem Obst. Während das Mus im Quetschbeutel pro Packung (90 Gramm) in der Regel zwischen 60 Cent und einem Euro kostet, bekommt man ein Glas Obstbrei bereits für 60 Cent – mit doppelt so viel Inhalt. Ein Apfel (rund 100 Gramm) kostet rund 30 Cent.

Fruchtmus ist oft zu süß und macht viel Müll

Zu viel Müll

Die bunt bedruckten Quetschies kommen bei Kindern unheimlich gut an. Auch bei Eltern sind sie beliebt, denn die Tüten sind handlich und eignen sich hervorragend als Snack für unterwegs. Doch die kleine Tüte ist schnell weggenuckelt – und dann wandert die Verpackung aus Aluminium und Plastik in den Müll. Umweltfreundlich ist das nicht.

Die Süßigkeit für zwischendurch

Viele Hersteller empfehlen ihre Quetschies für Kinder ab einem Jahr. Damit verkaufen sie ihre Produkte als Kinderlebensmittel und erwecken den Anschein, Kinder bräuchten spezielle Lebensmittel. Das trifft jedoch ausschließlich auf Kinder im ersten Lebensjahr zu. Kinder können in der Regel ab ihrem ersten Geburtstag die gleichen Lebensmittel und Speisen zu sich nehmen wie Erwachsene. Statt einem Obst-Quetschie sollten Kinder also besser frisches Obst, etwa in Form von Apfelschnitzen bekommen. Das ist nicht nur gesünder, sondern fördert die Kaumuskulatur und die Sprachentwicklung. Quetschies sind letztlich nur ein weiteres sogenanntes Kinderlebensmittel, das niemand braucht.

Ab und zu ein Quetschie schadet keinem Kind. Doch wir sollten uns immer bewusst machen: Quetschies sind eher eine Süßigkeit für Ausnahmesituationen und kein Ersatz für frisches Obst.“

Quelle: http://www.foodwatch.org/de/informieren/frage-des-monats/in-vielen-supermarktregalen-stehen-obst-quetschies-sind-sie-wirklich-so-gesund-wie-die-hersteller-versprechen/

Der Test von Ökotest: Enthalten Quetschies Schadstoffe? Und wie gesund sind sie?

Auch Ökotest hat das Fruchtmus im Beutel mal genau unter die Lupe genommen – und kommt zu dem Schluss: Es ist „Quatsch zum Quetschen“!

Nur eine einzige Tüte erzielte die Bewertung „gut“. Alle anderen kann Ökotest nicht oder nur eingeschränkt empfehlen. Fünf Produkte floppten im Test: Für Pestizide, Konzentrate, Fruchtsüße und mangelhafte Deklaration kann Ökotest nur ein „ungenügend“ geben. Noch schlimmer: Danival Poki Bio Pomme Banane – ein Bio-Produkt, in dem das beauftragte Labor gleich drei Pestizidrückstände über Diätverordnung und auch dem Orientierungswert des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) gefunden hat. Das Produkt dürfte die Bezeichnung Bio also gar nicht tragen.

Den gesamten Test gibt es hier: http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=107245&bernr=07&suche=quetschies

Dennoch werde ich meinen Kindern natürlich ab und zu Quetschies kaufen – eine Marke, die keine Pestizide enthält (das klingt schon mal wirklich grausam) -, weil sie die einfach gerne trinken. Und mir aber trotzdem vornehmen, noch etwas perfekt zu sein und häufiger Apfel & Co. zu schnibbeln.

2 Kommentare

  1. Natalie
    Reply

    Hallo Kathrin,

    vielen Dank für den spannenden Artikel. Ich mache Quetschies daher ab und an grne selbst mit wiederbefüllbaren Quetschbeuteln, das schon die Umwelt und den Geldbeutel. Noch dazu weiß ich genau, was drin ist und ich kann noch ein paar gesunde Dinge wie Nüsse, Haferflocken, Chia-Samen etc. reinmixen. Trotzdem ist ein Quetschie für mich die Ausnahme, die es ab und an gibt wenn wir unterwegs sind.

    • mmueller
      Reply

      Liebe Natalie,
      Danke Dir ganz herzlich für deinen tollen Tipp. Ich werde ihn selbst einmal ausprobieren und die Quetschies auch selber machen . Danke Dir, dass du meinen Blog so aufmerksam liest, liebe Grüße, Kathrin

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