Gerade entdeckt: Das Gehirn von Kindern wächst weiter
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Gerade entdeckt: Das Gehirn von Kindern wächst weiter

Kinder werden ziemlich schnell groß – uns Eltern ja manchmal zu schnell. Dass aber auch ihr Gehirn wächst, war bis jetzt nicht bekannt. Und der Grund dafür ist nicht, dass der viele Schulstoff irgendwo hin muss, sondern ein zwischenmenschlicher…

Bisher wussten Forscher nur, dass Neuronen und Synapsen im Gehirn von Kindern in den ersten Jahren abnehmen, sich ausdünnen – weil anfangs einfach viel zu viele davon da sind. Danach – dachte man – bleibt die Hirnstruktur in etwa gleich. Pustekuchen! Forscher haben nun entdeckt, dass das Gewebe im Gehirn von Kindern in manchen Arealen bis ins Erwachsenenalter hinein weiterwächst.

„Das Gehirn ändert seine Struktur bis weit in die Pubertät hinein„, sagte die Jülicher Neuro-Wissenschaftlerin Katrin Amunts, die Teil des internationalen Forschungsteams ist. Manche Eltern glauben ja eher, dass sich das Hirn ihrer pubertierenden Teenager verkleinert, wenn diese sich mal wieder nicht merken können, dass sie pünktlich aufstehen oder aufräumen sollten…

Mehr Gehirnschmalz für Gesichter-Memory

Doch warum ist das so? Müssen die Gehirne den ganzen Stoff aus dem Matheunterricht irgendwo hinstecken oder mehr Synapsen für komplexe Computerspiele bilden? Nein, das zusätzliche Gewebe hat eine andere Aufgabe. Es verbessert nämlich die Fähigkeit Gesichter besser zu erkennen, schreibt die Forschergruppe. Auch eine ziemlich wichtige Funktion! Denn müssen Babys erst einmal nur Mama und Papa erkennen, kommen später immer mehr Fremde hinzu und Menschen, die sehr ähnlich aussehen.

Für die Studie haben sich Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren und junge Erwachsene zwischen 22 und 28 Jahren bestimmte Bilder ansehen. Die Forscher nahmen dabei mit Hilfe von Magnetresonanztomografie die Gehirnaktivität in zwei bestimmten Gehirnregionen unter die Lupe: Mit der einen erkennt der Mensch Orte, mit der anderen Gesichter. Nur bei den Erwachsenen und nur in der Gehirnregion für die Gesichtserkennung fanden die Wissenschaftler Hinweise auf zusätzliches Gewebe, das die Kinder so noch nicht hatten. Wahrscheinlich wachsen insbesondere bestimmte Fortsätze von Nervenzellen, sagte Amunts.

Das Gehirn von Kindern birgt noch viele Geheimnisse

Amunts geht davon aus, dass ähnliche Wachstumsprozesse nicht nur beim Erkennen von Gesichtern, sondern auch in anderen Bereichen wie dem Sprachzentrum ablaufen. Denn auch diese Fähigkeiten entwickeln sich ja lange Zeit weiter.

 

Quelle: Science 2017; 355: 68-71. Studie an 22 Kindern und 25 jungen Erwachsenen

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