Mobbing macht dick
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Mobbing macht dick

Wer als Kind gemobbt wurde, nimmt schlechter ab. Eine Studie zeigt, dass mit Emotionen verbundenes Essen bei dicken Menschen den Ursprung in der Kindheit haben kann

Mobbing kann das Leben von Kindern und Jugendlichen wirklich zur Hölle machen. Ich selbst erinnere mich an Klassenkameraden, die sehr unter den Attacken der Mitschüler litten – mal waren es nur subtile Kommentare, mal offene Anfeindungen, mal wurden die Schüler halt nicht zu Partys eingeladen. Als Außenstehender konnte man wenig dagegen machen, weil sich die Anführer oft auch keiner Schuld bewusst waren. Heute haben manche meiner Mitschüler, die damals gemobbt wurden, diese negativen Erlebnisse anscheinend überwunden oder sogar ins Gegenteil verkehrt, sie sind erfolgreich und selbstbewusst. Andere hingegen sind irgendwie nie aus dieser Negativspirale herausgekommen.

Benjamin wehrt sich gegen Mobbing

Wie schlimm sich Mobbing auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen auswirkt, hat vor einiger Zeit der Schüler Benjamin Fokken mutig in einem Video öffentlich gemacht. Er wurde seine ganze Schulzeit hindurch ausgegrenzt, gehänselt und schikaniert. Ein Schulkamerad verspottete sogar den Tod von Benjamins kleinem Bruder, der durch einen Brand starb: „Gieß doch Benzin über das Grab deines Bruders, dann verbrennt er noch einmal!“. Seine Eltern merkten lange nichts von den schrecklichen Demütigungen, weil Benjamin schwieg.

https://www.youtube.com/watch?v=sgRSO72u8aw

Eine neue Studie zeigt jetzt, dass Mobbing sogar das ganze Leben lang Auswirkungen auf den Körper haben kann: Wer als Kind oder Jugendlicher wegen seines Übergewichts gehänselt wurde, kann auch als Erwachsener schlechter langfristig abnehmen. Vermutet hat man das ja schon immer, wie stark die Auswirkungen jedoch sind, ist neu.

Für die Studie wurden rund 380 Männer und Frauen untersucht, die stark abgenommen hatten und das Gewicht dann mindestens ein Jahr lang halten konnten. Diejenigen, die in ihrer Kindheit gemobbt wurden, konnten das niedrigere Gewicht weniger lange halten.

Essen als Trost

Die Mobbingopfer neigen wohl stärker zu „emotionalem Essen“, sie greifen also bei Traurigkeit, Stress und Ärger zur Chipstüte oder Schokoladentafel, um sich besser zu fühlen.

Die Wissenschaftler der Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) „AdipositasErkrankungen“ der Universität und des Universitätsklinikums Leipzig beobachteten, dass schnell ein Teufelskreis beginnt: Die ehemaligen Mobbingopfer essen aus Frust, nehmen weiter zu und fühlen sich deshalb wiederum schlecht. Dadurch steigt auch das Risiko für Depressionen und Essstörungen.

Handeln, bevor es zu spät ist

Deshalb ist es enorm wichtig, dass Eltern sehr aufmerksam beobachten, wie ihre Kinder in einer Klasse oder einer Clique aufgenommen werden und ob es Anzeichen für Mobbing gibt. Wenn das Mobbing bereits einige Zeit zurück liegt, sollte eine nachhaltige Adipositas-Therapie erfolgen, bei der Betroffene lernen mit früheren Hänseleien umzugehen und an ihrem Stressmanagement zu arbeiten.

Gut gefällt mir auch die Seite www.schueler-gegen-mobbing.de – Schüler beraten hier Schüler. Sie berichten von ihren Erfahrungen mit Mobbing bei Mitschülern, betreiben einen Chat und ein Forum, in dem man Fragen stellen kann. Auch einen Mobbingstest und Artikel zum Thema gibt´s.

 

Quelle: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/adipositas/default.aspx?sid=906507&cm_mmc=Newsletter-_-Newsletter-C-_-20160307-_-Adipositas

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