Hochbegabung: Vor allem Mädchen werden übersehen
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Hochbegabung: Vor allem Mädchen werden übersehen

Die Bundesländer wollen Hochbegabte besser fördern. Das ist auch dringend nötig, denn vor allem hochintelligente Mädchen und Kinder aus bildungsfernen Schichten bleiben unentdeckt und leiden ein Leben lang darunter.

Statistisch haben Mädchen und Jungs gleichhäufig einen IQ ab 130 und gelten damit als hochbegabt. Doch unter den Diagnostizierten sind 75 Prozent Jungen und 25 Prozent Mädchen. Das bedeutet: Bei Mädchen wird die Hochbegabung zu selten erkannt. Mädchen mit guten Noten bezeichnen Lehrer und Eltern halt oft als fleißig, Jungs als hochintelligent. Auch Eltern aus bildungsfernen Schichten kommen oft gar nicht auf die Idee, dass ihr Kind einen sehr hohen IQ haben könnte.

Hochbegabte sind oft verhaltensauffällig

Wird eine Hochbegabung aber nicht erkannt, fühlen sich die Kinder unterfordert und werden renitent, aggressiv, verhaltensauffällig. Manche gehen deshalb sogar auf eine Förderschule. Viele Eltern suchen dann Rat wegen Erziehungsproblemen und erfahren dabei oft zufällig, dass ihr Kind hochbegabt ist.

Für die Süddeutsche Zeitung (16. März 2015) habe ich einmal eine Schule mit Hochbegabtenklassen in München besucht und eine Familie mit zwei hochbegabten Mädchen interviewt. Sie haben mir erzählt, wie schwierig der Alltag manchmal mit hochintelligenten Kindern ist. Den Artikel könnt Ihr hier lesen:
Artikel Süddeutsche Zeitung zur Hochbegabung

Schon seit langem will die Politik die Früherkennung in Angriff nehmen, doch das Geld für Hochbegabtenklassen und eigene Betreuer fehlt. Viel floß in die Inklusion und nun in die Eingliederung der Flüchtlinge in das Schulsystem. Gestern haben Bildungspolitiker aus 13 Bundesländern und Bildungsexperten in Hamburg endlich eine Erklärung unterzeichnet, dass sie hochbegabte Kinder ab jetzt schneller entdecken und besser fördern wollen.

Wer einen IQ über 130 hat, soll besser gefördert werden

Der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe fasst die gemeinsamen Ziele der Erklärung so zusammen:

  • Wir wollen, dass Begabtenförderung zur Regelaufgabe in allen Schulen, Schulformen und Unterrichtsfächern wird und nicht auf wenige Schulen oder Schulformen begrenzt bleibt.“
  • „Wir wollen, dass Begabtenförderung in jeder Unterrichtsstunde von Anfang an mitgedacht und mitgeplant wird, und nicht auf zusätzliche Nachmittagsangebote beschränkt bleibt.“
  • „Und wir begrenzen die Förderung nicht auf Spitzenleistungen in den Kernfächern, sondern gehen von einem erweiterten Leistungsbegriff aus, der auch künstlerische, musische und soziale Spitzenleistungen umfasst.“

Und wie werden diese Pläne dann umgesetzt? In Hamburg sieht das so aus: An jeder Stadtteilschule und jedem Gymnasium entwickelt und koordiniert eine Lehrkraft Maßnahmen und Schulkonzepte zur Begabtenförderung und ist Ansprechpartner für Eltern, Schüler und Lehrkräfte. Es werden Schulungen und Fortbildungen für die Lehrer organisiert. Außerdem gibt es eine Ombudsstelle für Eltern und Schüler, an der man sich beraten lassen kann.

Ob aber tatsächlich nahezu alle Hochbegabten – immerhin zwei Prozent der Deutschen – erkannt werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

 

Quelle: http://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/5306970/2016-02-29-begabtenfoerderung/

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