Gesund bleiben

Die Zahl: 60.000 Pillen danach – pro Monat

Seit einem Jahr bekommt man die „Pille danach“ ohne Rezept in der Apotheke. Die Krankenkassen bezahlen sie jungen Frauen aber nur unter zwei Bedingungen.

Sex gehabt und die Verhütung vergessen? Oder das Kondom ist verrutscht? Vor allem junge Frauen und Mädchen haben dann oft Angst, ungewollt schwanger geworden zu sein. Daher nutzen sie die Möglichkeit eines Medikaments zur Verhütung nach dem Sex – die „Pille danach“. Sie heißen Ellaone, PiDaNa, Unofem Hexal, Pastinor und Levonoraristo. Ellaone war die erste und dadurch die meistverkaufteste Pille. Weil sie aber auch die teuerste ist, holen die anderen auf. Seit März 2015 gibt es die „Pille danach“ nun direkt in der Apotheke ohne Rezept vom Arzt.

Doppelt so viele Pillen

Seitdem ist der Absatz sprunghaft angestiegen, er hat sich nahezu verdoppelt – auf etwa 60.000 Packungen pro Monat. Im Februar 2015, dem Monat vor der Rezeptfreiheit, gingen nach einer Statistik der ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände) nur 38.000 Packungen über den Ladentisch.

81 Prozent zahlen selbst

Inzwischen kommen 81 Prozent der Frauen ohne Rezept in die Apotheke. Dann müssen sie die „Pille danach“ selbst zahlen – nur wenn man unter 20 Jahre alt sind und ein Rezept vorlegen kann, übernehmen die Krankenkassen die Kosten. 18- und 19-Jährige müssen allerdings die Rezeptgebühr selbst bezahlen. Mädchen unter 14 Jahren brauchen eine Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten.

Wie wirkt eigentlich die „Pille danach“?

In Deutschland gibt es zwei Arten: Das eine Präparat enthält Gestagen (Levonorgestrel: LNG), das andere den Wirkstoff Ulipristal (Ulipristalacetat: UPA). Beide verzögern den Eisprung, so dass Spermien zugrunde gehen und keine Zeit mehr haben, die Eizelle zu befruchten. Dennoch, absolut sicher ist die „Pille danach“ nicht: Eine bis drei von hundert Frauen pro Zyklus wird trotzdem schwanger.

Kommt es schließlich zum Eisprung, wirken die Medikamente nicht mehr. Eine bereits bestehende Schwangerschaft können sie nicht beeinflussen – sie sind also keine „Abtreibungspille“, wie manchmal behauptet wird.

Inzwischen werden meist Präparate mit UPA verkauft. Es kann den Eisprung noch etwas länger aufhalten als LNG. Innerhalb von fünf Tagen (120 Stunden) wirkt UPA nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder Verhütungsversagen noch. Bei LNG sind es nur drei Tage (72 Stunden). Je früher man die Pille aber nimmt, umso effektiver ist sie.

Die Preise schwanken, da es keinen festgelegten Verkaufspreis gibt. Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kosten in der Apotheke derzeit etwa ab 18 Euro, das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat etwa 35 Euro.

Intensive Beratung durch die Apotheker

Lange war Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gegen eine Rezeptfreiheit, wurde aber schließlich von EU-Vorgaben dazu gezwungen und hofft nun auf die Beratung der häufig jungen Frauen und Mädchen durch die Apotheker. Der Präsident der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer, macht sich hingegen keine Sorgen, dass der Verbrauch stark angestiegen ist: Der Anstieg „war die logische Konsequenz aus der Absicht des Gesetzgebers, Frauen den Zugang zu erleichtern und damit ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden“. Kiefer ist überzeugt: „Die Apotheker beraten intensiv. Und wir haben bisher keinerlei Sicherheitsprobleme feststellen können.“

 

Quellen:

dpa
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/default.aspx?sid=905005&cm_mmc=Newsletter-_-Telegramm-C-_-20160216-_-Rezepte+%26+Co.
Pressemitteilung  der Bundesvereinigung der deutschen Apothekerverbände (ABDA), 6. März 2015
pro familia medizin Nr. 1 / Februar 2015

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *