• Barbie darf endlich normal essen
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Gesund bleiben

Barbie darf endlich normal essen

Mattel bringt eine Barbie mit Hüftspeck auf den Markt und Lego eine Figur im Rollstuhl. Tragen die Spielzeughersteller endlich zu einem gesunden Körperbewusstsein von Kindern bei oder stecken andere Interessen dahinter?

Was hat mich als Kind diese perfekte Blondine genervt: geföhnte Wallemähne, Wespentaille, lange Beine. Den Schrank voll schöner Kleider, zu jedem Anlass die passende Handtasche. Und dann war da auch noch Ken, ihr schnieker Freund mit den Gel-Haaren und dem eingefrorenen Lächeln. Alles ekelhaft perfekt…

Niemand in meinem Umfeld sah aus wie eine Barbie. Deshalb hatte ich auch nie das Gefühl, ich müsste auch so aussehen. Eher kamen mir die Barbiepuppen wie Aliens vor, die nicht von dieser Welt waren – für mich standen sie etwa auf einer realitätsnahen Ebene mit meinem Stofftier Fritzi, einem riesigen gelben Hamster in roten Sportshorts, den ich mal auf dem Sperrmüll gefunden hatte.

Die Zerstörung der Perfektion

Die Plastikfrau war mir immer zu künstlich. Deshalb mochte ich auch eine farbige Barbie am liebsten, die am Rücken eine Klappe hatte. Eigentlich sollte sie – wenn man auf die Klappe drückte – den Mund zum Küssen spitzen, der Mechanismus war aber längst kaputt. In ihr rosa Ballkleid schnitt ich Löcher. Eine Wohltat, diese Zerstörung der Perfektion.

55 Jahre gibt es die Barbie nun. In all den Jahren hat sie zwar über 100 verschiedene, auch nicht Gender-typische Berufe wie Astronautin, Air-Force-Pilotin oder Chirurgin ausgeübt. Sogar Bundeskanzlerin war sie schon. Trotzdem sah sie immer wie der ideale Männertraum aus: dünn, vollbusig, langbeinig. Nun hatten die Barbie-Designer endlich einen Anflug von Realitätssinn und haben mehrere kurvigere Plastikpuppen (wie auf dem Foto oben) entworfen: ein bisschen Speck auf den Hüften, fülligere Wangen und kräftigere Oberschenkel. Es gibt auch Puppen, die kleiner oder größer als die Standardbarbie sind. So wie normale Frauen halt nun mal aussehen.

Behinderter mit gelbem Kugelkopf

Auch Lego hat auf der Spielwarenmesse in Nürnberg gerade eine Figur vorgestellt, die im Rollstuhl sitzt (auf dem zweiten Bild oben, dafür auf den Pfeil rechts im Bild klicken).

Es wäre ja schön, wenn Mattel und Lego endlich etwas zu einem normaleren Körperbild von Kindern und Jugendlichen beitragen und normale Frauen zum Vorbild nehmen würden. Wahrscheinlich empfinden nämlich nicht alle Mädchen die Barbies so alienartig wie ich damals. Mattel-Geschäftsführer Richard Dickson sagte bei der Vorstellung der neuen Puppen: „Barbie spiegelt die Welt, die Mädchen um sich herum sehen.“ Na, so wünscht man sich das Weltbild seiner Kinder…

Doch man darf bezweifeln, dass es Mattel rein um das gesunde Essverhalten und Selbstvertrauen der Mädchen geht. Insider munkeln, dass die Verkaufszahlen der Barbie in den letzten Jahren immer mehr zurück gegangen sind. 20 Prozent Umsatz soll die Barbie allein von 2012 auf 2014 verloren haben – vielleicht auch, weil kein Kind mehr mit so einem perfekten Blondchen spielen will. Viel zu langweilig. Kult wurden dagegen die hässlichen Gruselpuppen von Monster high. Jetzt versucht die Barbie vielleicht mit mehr Kurven wieder aufzufallen. Kann klappen, bei vielen Promis wie Kim Kardashian funktionierts ja auch.

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