Dickes Kind, schau mal in den Spiegel!
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Dickes Kind, schau mal in den Spiegel!

Gerade gibt es große Aufregung um die neue „Medizini“-Ausgabe: Ein Test soll Kinder eigentlich vor Magersucht bewahren. Ich finde aber, er erzeugt noch mehr Druck abzunehmen.

Ich habe mich immer gefreut, wenn ich als Kind die „Medizini“-Zeitschrift in der Apotheke bekommen habe. Da war immer so ein süßes Tierposter mit Pinguinen oder Katzenbabys und lustige Gesundheitscomics drin. Die aktuelle Januarausgabe ist aber weniger lustig, finde ich – und viele andere auch. Apotheken weigern sich inzwischen, das Heft auszulegen und das Netz regt sich ziemlich auf.

Zweifelnder Blick in den Spiegel

Stein des Anstoßes ist der Test „Wie zufrieden bist Du mit Deiner Figur?“ (siehe Foto). Kinder – „Medizini“ richtet sich ja an Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren – sollen darin eine Antwort ankreuzen und bekommen zum Schluss eine Testauswertung zu ihrem Körperbild. Da stehen zum Beispiel Fragen wie: „Alle in deiner Klasse tragen jetzt diese superengen Hosen. Bei dir sitzen sie viel zu knapp und sehen nicht gut aus. Was tust du?“ oder „Du hast in letzter Zeit ganz schön zugelegt. Was tust du?“ Auf dem Foto ein junges Mädchen, das zweifelnd in den Spiegel blickt und über seinen Bauch streicht…

Als erste beschwerte sich die Schweizer Apothekerin und Bloggerin Ann-Katrin Kossendy-Koch und weigerte sich, die Zeitschrift aus dem Münchner Wort und Bild-Verlag in ihrem Gesundheitshaus auszulegen. Andere Apotheken zogen nach. Ann-Katrin Kossendy-Koch telefonierte mit Chefredakteur Harald Lorenz: „Er erklärte mir, dass dieser Test helfen soll, dass die Kinder ihr Selbstbild besser verstehen und man versuche, mit diesem Test gefährdete Kinder vor der Magersucht zu retten. Das Thema sei längst in der Schule und man versuche, die Kinder da abzuholen.“

Noch mehr Abnehmdruck

In dem Test geht es aber, finde ich, nicht um die Aufklärung vor Essstörungen. Magersucht oder Bulimie werden gar nicht erwähnt oder erklärt. Vielmehr wird von Abnehmdruck in der Klasse, schlanken Stars und schnellem Abnehmen gesprochen. Natürlich kann das auch zum Nachdenken anregen – aber doch nicht Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren, denen man „Medizini“ unbedacht in die Hand drückt. Sogar meine zweijährige Tochter hat das Poster schon in der Apotheke bekommen (natürlich kann sie jedoch noch nicht lesen). Als besonders misslungen empfinde ich die journalistische Form eines Tests mit Auswertung, die viel zu knapp geraten ist. Er suggeriert, dass es falsch ist, wenn man nicht in die Skinny-Jeans passt und dass man dringend abnehmen muss, wenn einen die anderen Kinder in der Klasse hänseln.

Wäre es nicht viel eleganter gewesen, wenn man auf kindliche Art und Weise über das Thema Abnehmen, Körperbild und Essstörungen gesprochen hätte, zum Beispiel mit einem Experten – oder noch viel besser zu Hause mit den Eltern? Es ist ja durchaus richtig und enorm wichtig, sich mit der Gefahr Magersucht auszukennen, die in immer früheren Jahren beginnt. Doch mit so einem Test wird nur noch mehr Druck aufgebaut.

Wie seht Ihr das? Schreibt mir bitte.

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