Ist eine Mandel-OP sinnvoll?
Krank sein

Ist eine Mandel-OP sinnvoll?

Viele Eltern fragen sich, ob das Kind wirklich seine Mandeln hergeben muss. Können die nicht auch drin bleiben? Eine neue Studie im Deutschen Ärzteblatt bringt jetzt Klarheit.

Sie sind zusammen mit der Nasenschleimhaut die ersten Abwehrschilde des Körpers gegen Krankheitserreger. Bei manchen Kindern sind die Mandeln jedoch ständig entzündet – mehrere Male im Jahr zeigen sich die weißen Eiterpünktchen. Das tut weh. Doch eine OP, bei der die Kugeln im Hals rausgenommen werden, kann noch viel mehr weh tun. Da ist es auch kein Trost, dass Kinder so viel Eis essen dürfen, wie sie möchten.

Schnipp-schnapp oder drin lassen?

Wie soll man sich entscheiden? Früher, berichten Ärzte, hat man sehr schnell zu einer Mandel-Operation geraten. Heute ist man da viel zurückhaltender, man hat die wichtige Abwehrfunktion der Mandeln begriffen.

Wenn die jedoch häufig entzündet sind, helfen keine Antibiotika mehr. Bakterien und Botenstoffe gelangen dann ins Blut. Das kann gefährliche Folgen für andere Organe haben: Es können Nierenbeschwerden, Herzrhythmusstörungen, Gelenkentzündungen, rheumatisches Fieber und immunreaktive Hauterkrankungen auftreten.

Im Saarland schnippelt man häufiger

Heute gibt es in Deutschland regional große Unterschiede, wie häufig Kinder unter das Messer müssen: In Berlin beispielsweise wurden im Jahr 2010 etwa 29 von 10.000 Kindern (0 bis 19 Jahre) ihre Mandeln entfernt. Im Saarland waren es 105 von 10.000 – und damit fast viermal so viele.
Eine sehr gute interaktive Karte der Mandel-Operationen gibt es bei Faktencheck Gesundheit (allerdings aus dem Jahr 2010).

Heute geht man von der Faustregel aus, dass man die Mandeln erst wegschneidet, wenn ein Kind fünf oder mehr Mandelentzündungen pro Jahr hat.

Weniger Halsschmerzen, Fehltage und Arztbesuche

Eine neue Studie von Götz Senska und Koautoren, die gerade im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, zeigt, dass eine Mandel-OP die Lebensqualität des Patienten auf Dauer wesentlich verbessern kann. Allerdings: Die Studie wurde nur unter Erwachsenen durchgeführt. Daher lässt sich nur bedingt auf Kinder schließen.

Trotzdem: Die Studie unter 114 Erwachsenen, denen die Mandeln herausgenommen wurden, zeigt, dass sie sieben Jahre später eine wesentlich bessere Lebensqualität hatten. Litten die Patienten vor der Mandeloperation fast zehnmal pro Jahr an Halsschmerzen, erkrankten sie danach nur noch zweimal jährlich. Gingen sie vor der OP fünfmal im Jahr zum Arzt, war es jetzt nur einmal. Statt mehr als elf Mal, fehlten sie nur noch zwei Tage im Jahr bei der Arbeit. Außerdem stieg das Lebensgefühl, die gesellschaftlichen Kontakte und ihre körperliche Gesundheit.

Das nimmt Eltern jetzt immer noch nicht die Entscheidung ab und verhindert nicht, dass sie sich mehrere Arztmeinungen einholen sollten. Blickt man aber in die Zukunft, gibt die Studie zumindest ein ganz gutes Gefühl.

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