Haarige Plagegeister
Krank sein

Haarige Plagegeister

Sie sind winzig klein und dennoch lehren sie uns das Fürchten: Kopfläuse. Ich habe mich bei Apothekern und Ärzten umgehört, was man gegen sie tun kann.

Im Kindergarten meiner Tochter krabbelt es wieder – ein Kind hat Kopfläuse. Damit es nicht noch mehr werden, sollen alle Eltern es jeden Abend den Affen gleich tun und die Haare lausen. Viele Eltern sind nun verunsichert. Es gibt viele Gerüchte, wie man die Läuse vom Kinderhaar fernhalten und wie man sie wieder loswerden kann. Ich habe bei Apothekern und Kinderärzten nachgefragt, was wirklich hilft.

9 Irrtümer über Kopfläuse

  1. Läuse sind ein Fall von mangelnder Hygiene
    Kopfläuse befallen Menschen wahrscheinlich schon, seit es Menschen gibt. Archäologische Ausgrabungen haben 10.000 Jahre alte Nissen zu Tage gefördert. Meistens sind Kinder häufiger als Erwachsene und Mädchen häufiger als Jungen betroffen (Mädchen haben einfach längere Haare, da können die Läuse besser überkrabbeln). Nach den Erkältungskrankheiten sind Läuse die häufigste Infektionskrankheit. Entgegen früherer Vorurteilen zeugen Läuse aber nicht von mangelnder Hygiene – sie mögen jeden Kopf, ob reich oder arm. Eine Studie in Braunschweig zeigte, dass Kopflausbefall bei Kindern mit Migrationshintergrund seltener war als bei Kindern ohne Migrationshintergrund. Und es gibt sogar Hinweise darauf, dass sie frisch gewaschene Haare bevorzugen.
  2. Läuse übertragen Krankheiten
    Die Krabbeltiere sind zwar lästig und ihr Speichel, den sie beim Blutsaugen in die Wunde spritzen, juckt. Doch sie übertragen keine Krankheiten. Ausgewachsene Läuse sind rot-braun gefärbt und bis zu drei Millimeter groß, Nymphen – also junge Läuse – nur ein bis zwei Millimeter und weiß. Erst wenn sie das erste Blut intus haben, färben sie sich rot.
  3. Läuse hüpfen
    Viele Eltern und Erzieher befürchten, dass die kleinen Plagegeister von Mütze zu Mütze und einmal quer durch die Kita hüpfen. Doch anders als Flöhe können Läuse nicht springen. Sie krabbeln hingegen von Haar zu Haar, wenn die Kleinen die Köpfe beim Malen oder Basteln zusammen stecken. In einer australischen Studie wurden 1000 Mützen untersucht – auf keiner fand sich eine Laus. Auf den Köpfen der Kinder hingegen 5500 Stück. Denn die Läuse sind Blutsauger, brauchen Wärme und bleiben lieber da, wo es etwas zu essen gibt (anfangs meist hinter den Ohren).
  4. Haare waschen hilft
    Nicht unbedingt, denn die Nissen sind so fest an die Haare gekittet, dass sie beim Haarewaschen nicht herunter fallen. Eine Haarspülung kann lediglich das Auskämmen mit einem Läusekamm weniger schmerzhaft machen.
  5. Läuse überleben ewig in Stofftieren und Kopfkissen
    Ohne Blut können Läuse höchstens 55 Stunden leben, dann trocknen sie aus. Schlüft eine Larve aus einem Ei, verhungert sie ohne Nahrung innerhalb einer Stunde. Daher ist die Angst, dass die Krabbler auf Kopfkissen und Kuscheltieren überleben, unbegründet. Selbst wenn – man könnte die Tiere und ihre Larven mit bloßem Auge sehen. Daher ist es vergebene Liebesmüh, Stofftiere vorsorglich in die Kühltruhe zu legen, um die Eier abzutöten. Sie sterben sowieso. Natürlich kann man die Bettwäsche trotzdem mal vorsorglich wechseln und waschen.
  6. Vorbeugen ist wichtig
    Da gehen die Meinungen der Apotheker und Kinderärzte auseinander, wie ich erfahren habe. Manche finden die Läuseschreck-Mittel rausgeschmissenes Geld. Andere empfehlen zur Vorbeugung zum Beispiel einen Tropfen Teebaumöl hinter den Ohren oder die Haare mit Weidenrindenshampoo zu waschen. Mit anderen ätherischen Ölen sollte man insgesamt aber lieber vorsichtig sein, da sie Allergien begünstigen können.
    Um Läuse schnell zu entdecken, ist ein guter Läusekamm aus Metall oder Kunststoff wichtig. Dieser besitzt Zinken, deren Abstand nicht größer als drei Millimeter ist. Kunststoffkämme ziepen nicht so sehr. Täglich sollte man damit die Haare durchkämmen, danach sollte man den Kamm mit heißem Essigwasser reinigen.
  7. Es muss die krasse Chemiekeule sein
    Haben sich die Läuse dann erstmal eingenistet, muss es dennoch nicht die heftige Chemiekeule sein, um sie wieder los zu werden. Mir haben viele Apotheker berichtet, dass es inzwischen gute Mittel auf Silikonölbasis gibt, die die Atemwege der Läuse blockieren. Die Läuse ersticken sozusagen. Ökotest hat einige dieser Mittel mit „gut“ bewertet. Helfen diese jedoch nicht, kann man immer noch zu stärkeren Waffen greifen. Hausmittel mit Alkohol oder Essig sollen jedoch weitgehend wirkungslos gegen Läuse sein.
  8. Alle Familienmitglieder vorsorglich mitbehandeln
    Lieber nicht – das ist nur Geldverschwendung und begünstigt Resistenzen. Man sollte lieber wachsam die Haare durchkämmen und mit einer Pflegespülung waschen – erst wenn man wirklich Läuse entdeckt hat, kann man loslegen.
  9. Einmal entlausen reicht
    Nein, nach acht bis zehn Tagen sollte man das Mittel aus der Apotheke noch einmal anwenden, um auch wirklich allen Läuse und Larven den Garaus gemacht zu haben.

 

Weitere gute Informationen:

http://www.pediculosis-gesellschaft.de/html/behandlung.html

http://www.bzga.de/infomaterialien/kopflaeuse-was-tun/deutsch/ (24-seitige Infobroschüre als PDF)

Ein Kommentar

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